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PersonalführungHohe Gehälter allein reichen nicht mehr, um Mitarbeiter zu halten

Top-BeitragAbo-Inhalt20.01.20263 Min. LesedauerVon Florian Sedlmayer, Recruiting-Experte für den Mittelstand

Viele Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern mehr als je zuvor und verlieren trotzdem ihre besten Köpfe. Sie locken mit Boni, Benefits und Homeoffice, doch kaum jemand bleibt. Der Irrglaube, dass Loyalität käuflich ist, hält sich hartnäckig. Doch heute bindet Geld keine Menschen mehr, sondern höchstens ihre Zeit. Wer das nicht begreift, verliert in einer neuen Arbeitsrealität den Anschluss.

1. Der Preis ohne Wert

Über Jahrzehnte galt das Gehalt als sicherer Schlüssel im Wettbewerb um Talente. Wer besser zahlte, gewann. Diese Logik funktioniert nicht mehr. Die Generationen Y und Z stellen andere Fragen:

  • Wofür arbeite ich?
  • Wie werde ich geführt?
  • Und lohnt sich das Menschsein in diesem System?

Studien bestätigen diesen Wandel. Der Gallup Engagement Index 2024 zeigt: Nur 9 % der Beschäftigten fühlen sich emotional an ihr Unternehmen gebunden. Acht von zehn Beschäftigten machen Dienst nach Vorschrift, obwohl Gehälter und Benefits steigen. Geld verhindert keine innere Kündigung, es verzögert sie nur.

2. Der wahre Engpass liegt nicht im Markt, sondern im Unternehmen

In der Praxis zeigt sich, woran es wirklich scheitert:

  • Bewerbungsprozesse dauern zu lange,
  • Rückmeldungen kommen zu spät,
  • Entscheidungen werden vertagt.

Gleichzeitig klagt das Management über Fachkräftemangel. Doch der Mangel liegt selten draußen, sondern drinnen – in Strukturen, die sich selbst blockieren.

Recruiting ist längst kein administrativer Vorgang mehr, sondern ein Spiegel der Unternehmenskultur. Wer schon im Bewerbungsprozess keine Haltung zeigt, darf sich nicht wundern, wenn die Besten abspringen. Menschen entscheiden sich nicht gegen Jobs, sondern gegen Führung, die keine Richtung hat.

3. Führung schlägt Vergütung

Bewerber wollen heute kein Hochglanz-Versprechen, sondern Klarheit. Sie erwarten Führung, die zuhört, kommuniziert und Verantwortung ernst nimmt. Viele Unternehmen übersehen, dass Führung zur neuen Währung geworden ist. Führung ist kein Titel, sie ist ein Verhalten. Wer führt, schafft Vertrauen. Wer verwaltet, verliert.

Eine aktuelle Personio-Studie zeigt: Über 90 % der HR-Verantwortlichen sehen dringenden Handlungsbedarf in ihren Bildungskonzepten. Flexible Modelle, ehrliches Feedback und Entwicklungsmöglichkeiten werden höher bewertet als jede Gehaltserhöhung. Wer das ignoriert, verliert nicht an Budget, sondern an Glaubwürdigkeit.

4. Kultur ersetzt kein Gehalt, aber ohne Kultur hilft kein Gehalt

Viele Betriebe versuchen, eine schlechte Führung mit Benefits zu übertünchen. Doch ein Obstkorb ersetzt keine Haltung, und ein Firmenlauf keine Wertschätzung. Mitarbeitende erkennen schnell, ob Kultur nur kommuniziert oder tatsächlich gelebt wird. Bindung entsteht dort, wo Führung echt ist und Menschen ernst genommen werden.

Kultur ist kein weiches Thema, sondern ein wirtschaftlicher Faktor. Unternehmen mit einer klar gelebten Feedbackkultur verzeichnen laut Studien bis zu 30 % weniger Fluktuation. Wer sich um Menschen kümmert, spart Kosten – und gewinnt Loyalität.

5. Was jetzt zählt

Fazit — Hohe Gehälter kaufen keine Loyalität. Sie schaffen kurzfristige Zufriedenheit, aber keine emotionale Bindung. Der neue Erfolgsfaktor im Recruiting heißt Glaubwürdigkeit. Menschen bleiben, wenn sie Haltung spüren, Entwicklung sehen und Führung erleben.

Der Fachkräftemangel ist kein Zufall, sondern das Ergebnis fehlender Verantwortung. Recruiting war früher Personalbeschaffung. Heute ist es eine Charakterprüfung für beide Seiten. Wer Menschen sucht, muss zuerst zeigen, dass er sie verdient.

  • 1. Klarheit statt Floskeln: Bewerber wollen wissen, wofür ein Unternehmen steht. Wer das nicht benennen kann, verliert.
  • 2. Bewegung statt Bürokratie: Schnelle, transparente Prozesse sind entscheidend. Wer zu lange prüft, verliert den Anschluss.
  • 3. Führung statt Verwaltung: Mitarbeitende bleiben, wenn sie geführt werden, nicht wenn sie kontrolliert werden. Vertrauen ersetzt die Kontrolle nicht, es macht sie überflüssig.

AUSGABE: BBP 2/2026, S. 45 · ID: 50662722

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