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CME-BeitragErfolgsfaktoren für Restaurationen bei Wurzelkaries

Abo-Inhalt18.12.20253 Min. Lesedauer

Der Erfolg einer restaurativen Wurzelkariesbehandlung wird über das Material hinaus durch verschiedene Faktoren beeinflusst und ist kontinuierlich Gegenstand der Forschung, um Rückschlüsse auf die klinische Praxis ziehen zu können.

Lage und Größe der Restauration beeinflussen den Erfolg

Eine wichtige Rolle für den Behandlungserfolg einer Wurzelkaries spielen Lokalisation und Ausdehnung der Restauration. So konnte bereits früh gezeigt werden [1], dass zweiflächige aktive zervikale (Wurzel-)Kariesläsionen oder Restaurationen, die sich bis in den approximalen Bereich erstrecken, eine 1,75-fach höhere Misserfolgsrate aufwiesen als einflächige zervikale Restaurationen.

Selektive oder konventionelle Exkavation?

In Analogie zur Behandlung koronaler Karies kann bei der Wurzelkaries in Bezug auf die Kariesexkavation zwischen selektiver und konventioneller Kariesentfernung unterschieden werden. Laut Ganß et al. [2] ist zu den Erfolgsraten beider Möglichkeiten keine Evidenz vorhanden, sodass die Autoren ihre Ableitungen aus Beobachtungen zur Exkavation koronaler Karies ziehen. Demnach zeigen „beide Verfahren ähnliche Erfolgsraten (Abwesenheit von Pulpitis, Nekrosen oder periapikalen Veränderungen)“. Den zur Bewertung herangezogenen Studien zufolge betrug

  • über einen Beobachtungszeitraum von eineinhalb Jahren in der Altersgruppe zwischen 14 und 54 Jahren der Erfolg
    • einer selektiven Exkavation 92,5 Prozent im Vergleich
    • zur konventionellen von 98,2 Prozent,
  • während nach einjähriger Beobachtungszeit bei 4- bis 14-Jährigen mit einer je 100-prozentigen Erfolgsrate kein Unterschied zwischen den beiden Exkavationsverfahren festgestellt wurde.

ART-Technik vs. konventionelles Verfahren

Bei älteren Patienten, insbesondere solchen, die nicht die Praxis aufsuchen können, kann die ART-Technik (Atraumatische Restaurative Therapie) eine alternative und nützliche Behandlungsmethode zur konventionellen Technik darstellen [3].

Entgegen Berichten zu höheren Versagensraten von ART (siehe dazu Seite 16) zeigte diese Untersuchung von da Mata et al. [3], dass die Überlebensrate von ART und konventioneller restaurativer Technik mit einem kunststoffmodifizierten Glasionomerzement bei Wurzelkaries nach fünf Jahren bei älteren Patienten vergleichbar ist.

Diese unterschiedlichen Beobachtungen bestätigen das Fazit der Autoren einer systematischen Übersichtsarbeit, demzufolge keine Technik eindeutig der anderen vorzuziehen ist, selbst wenn die ART mit „einem grenzwertig signifikant erhöhten Risiko für Misserfolge verbunden ist“ [4].

Schlechte Dentinhaftfestigkeit überwindbar?

Ein Problem bei der Versorgung von Wurzelkaries besteht darin, dass das freiliegende Dentin eine niedrigere Haftfestigkeit aufweist als Schmelz. Die Lösung könnte Forschern zufolge ein neuartiges bioaktives Dentinadhäsiv liefern, das die Haftfestigkeit in diesem Bereich fördern soll [5]. Ihre Entwicklung beruht auf der Kenntnis, dass die Restfeuchtigkeit an der Dentin-Adhäsiv-Grenzfläche die Haltbarkeit von Dentin-Adhäsiv-Verbindungen reduziert, was in letzter Konsequenz mit Sekundärkaries und Versagen der adhäsiven Restauration einhergeht.

Das von den Wissenschaftlern entwickelte und angewendete Adhäsiv enthält 20 Gewichtsprozent sogenannter PSC-Partikel, die einer chemischen Zusammensetzung von

  • 10,8 Mol-% P2O5 (Phosphorpentoxid),
  • 54,2 Mol-% SiO2 (Siliziumdioxid) und
  • 35 Mol-% CaO (Calciumoxid) entsprechen.

Das Adhäsiv zeigte mit dieser Komposition die Fähigkeit zur Remineralisierung der adhäsiven Grenzfläche des Dentins, was einen gewissen Einfluss auf die Haftfestigkeit ausübt, sodass auch nach drei Monaten die gemessene Haftfestigkeit stabil blieb. Darüber hinaus wurde eine deutlich reduzierte Mikroleckage an der Klebefläche im Vergleich zum Kontrolladhäsiv beobachtet, was ebenfalls auf den stabilen Erhalt der Haftfestigkeit hindeute.

Das Wichtigste in Kürze

Hinsichtlich der Erfolgsrate von Wurzelkariesfüllungen ist nicht bekannt, ob die konventionelle der selektiven Exkavation vorzuziehen ist. Bei älteren, nicht mobilen Patienten kann die ART- statt konventioneller Technik erfolgen. Möglicherweise werden bioaktive Dentinadhäsive den Restaurationserhalt steigern.

Quellen
  • [1] Wierichs RJ, Kramer EJ, Meyer-Lueckel H. Risk factors for failure of class V restorations of carious cervical lesions in general dental practices. J Dent. 2018 Oct;77:87–92. doi.org/10.1016/j.jdent.2018.07.013.
  • [2] Ganß C, Jung K, Luka B, Schlüter N. Therapie der Wurzelkaries. zm online 16.05.2025. Abruf unter iww.de/s14845.
  • [3] da Mata C, McKenna G, Anweigi L, Hayes M, Cronin M, Woods N, O‘Mahony D, Allen PF. An RCT of atraumatic restorative treatment for older adults: 5 year results. J Dent. 2019 Apr;83:95–99. doi.org/10.1016/j.jdent.2019.03.003.
  • [4] Meyer-Lueckel H, Machiulskiene V, Giacaman RA. How to Intervene in the Root Caries Process? Systematic Review and Meta-Analyses. Caries Res. 2019;53(6):599–608. doi.org/10.1159/000501588.
  • [5] Li Q, Huang G, Li A, Qiu D, Dong Y. Promoting bond durability by a novel fabricated bioactive dentin adhesive. J Dent. 2024 Apr;143:104905. doi.org/10.1016/j.jdent.2024.104905.

AUSGABE: ZR 1/2026, S. 9 · ID: 50655376

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