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CME-BeitragFluorid wirksam zur Prävention und zum Stopp von Wurzelkaries

Abo-Inhalt17.12.2025198 Min. Lesedauer

Kariesprävention und -behandlung bei älteren Patienten und Pflegebedürftigen müssen sich an der individuellen Situation ausrichten und unter Umständen Partner und Pflegende mit einbeziehen. Fluorid in höherer Konzentration ist eine erfolgreiche Interventionsmaßnahme im Wurzelkariesmanagement.

Konsenserklärung zu Fluoriden bei Älteren

Ein Expertengremium gibt in einer gemeinsamen Delphi-Konsenserklärung der European Organization for Caries Research (ORCA), der European Federation of Conservative Dentistry (EFCD) und der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) Empfehlungen für Zahnärzte zur Behandlung von Karies bei älteren Menschen mit besonderem Schwerpunkt auf Wurzelkaries [1]. Als lokale Intervention wird darin u. a. auf die Anwendung hoch fluoridierter Zahnpasten oder Lacke verwiesen. Zunächst wird angeraten,

  • dass sich der Patient mindestens 2x täglich die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta ((≥1.500 ppm Fluorid) putzt.
  • Bei erhöhtem Wurzelkariesrisiko können Praxen ihren Patienten empfehlen, 3x täglich zu putzen, damit mehr Fluorid die Zähne erreicht.
  • Benötigt wird – aufgrund der bei den meisten älteren Erwachsenen vorliegenden vergrößerten Zahnzwischenräume – auch die Anwendung von Interdentalbürstchen, idealerweise in Kombination mit auf die Bürstchen aufgetragener fluoridierter Zahnpasta.
  • Darüber hinaus kann bei erhöhtem Wurzelkariesrisiko und/oder aktiver Wurzelkaries auch eine hochfluoridhaltige Zahnpasta (5.000 ppm Fluorid, z. B. elmex duraphat) verschrieben werden [2] – nicht nur die persönlichen guten Erfahrungen des Experten [2], auch die Studienlage spricht dafür [3].
  • Eine lokale CHX-Anwendungsempfehlung gibt es dagegen nicht.
  • Bei älteren Erwachsenen mit erhöhter (Wurzel-)Kariesanfälligkeit und/oder aktiven Wurzelläsionen kann hoch konzentrierter Fluoridlack (>20.000 ppm) angewendet werden [1]. Das bestätigt auch eine systematische Übersichtsarbeit [4]. Demnach verhinderte die professionell angewandte Fluoridtherapie mit 5-prozentigem Natriumfluoridlack bei älteren Erwachsenen in 64 Prozent der Fälle Wurzelkaries.

Unterstützungsbedarf eruieren

Bei allen Präventionsmaßnahmen ist zu beachten, dass Patienten häufig nicht mehr in der Lage sind, diese adäquat umzusetzen. Deshalb sollte überlegt werden, was getan werden kann, um die Mundhygiene älterer Patienten zu vereinfachen, z. B. mithilfe eines Griffverstärkers für die Zahnbürste. Dazu kann ebenfalls gehören, Unterstützung durch Partner oder pflegende Angehörige einzufordern, weshalb diese die Prophylaxesitzung begleiten sollten [2].

Hohe Fluoridierung stabilisiert Kariesgeschehen

Die Wirkung einer im Vergleich höher fluoridierten Zahnpasta (5.000 vs. 1.450 ppm Fluorid) auf Wurzelkariesläsionen bei älteren Erwachsenen wurde auch in einer aktuellen Studie untersucht, die dazu das Aktivitätsmuster der Läsionen über zwei Jahre beobachtete [5].

  • Dabei zeigte sich, dass bei Anwendung der hoch dosierten Zahnpasta (5.000 ppm Fluorid) 64 Prozent der zu Studienbeginn aktiven Läsionen nach einem Jahr inaktiv wurden und das auch nach dem zweiten Beobachtungsjahr noch waren. Darüber waren 30 Prozent der Läsionen zu Beginn inaktiv und blieben es zu allen Untersuchungszeitpunkten.
  • Ein anderes Bild zeichnete sich bei der verwendeten 1.450 ppm Fluorid-Zahnpasta ab:
    • Nur 17,8 Prozent der zu Studienbeginn aktiven Läsionen wurden inaktiv und blieben es zum Studienabschluss nach zwei Jahren.
    • 20,4 Prozent der Läsionen waren anfänglich inaktiv und blieben inaktiv.
    • Alle restlichen Läsionen zeigten schwankende Übergänge zwischen aktivem und inaktivem Status.

Die Studienautoren bilanzieren, dass die höhere Fluoridkonzentration eine stabilere und effektivere Langzeitbehandlung von Wurzelkariesläsionen ermöglicht.

Das Wichtigste in Kürze

Fluorid ist wirksam zur Vorbeugung von Wurzelkaries. Höhere Konzentrationen von 5.000 ppm Fluorid in Zahnpasten sind effektiver als niedrigere Konzentrationen. Auch die Anwendung von hoch dosiertem Fluoridlack ist hilfreich.

Quellen
  • [1] Paris S, Banerjee A, Bottenberg P et al. How to Intervene in the Caries Process in Older Adults: A Joint ORCA and EFCD Expert Delphi Consensus Statement. Caries Res. 2020; 54(5-6): 459–465. doi.org/10.1159/000510843.
  • [2] Paris S. CP GABA meets DGZ: Wurzelkaries und Zahnerhalt in einer alternden Bevölkerung – Herausforderungen und Lösungsansätze. Das Webinar vom 17.09.2025 ist nach wie vor abrufbar (iww.de/s14828) und mit 3 CME-Punkten ausgewiesen.
  • [3] Meyer-Lueckel H, Machiulskiene V, Giacaman RA. How to Intervene in the Root Caries Process? Systematic Review and Meta-Analyses. Caries Res. 2019;53(6): 599–608. doi.org/10.1159/000501588.
  • [4] Chan AKY, Tamrakar M, Jiang CM, Tsang YC, Leung KCM, Chu CH. Clinical evidence for professionally applied fluoride therapy to prevent and arrest dental caries in older adults: A systematic review. J Dent. 2022 Oct;125:104273. doi.org/10.1016/j.jdent.2022.104273.
  • [5] León S, Gómez N, Gambetta-Tessini K, Giacaman RA. Dynamics of root caries in older adults using high-fluoride toothpaste. J Dent. 2025 Nov;162:106018. doi.org/10.1016/j.jdent.2025.106018.
  • Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag „Systematische Übersicht: topisches Fluorid zur Prävention von Wurzelkaries“ im ZR 06/2020, Seite 19 sowie die Beiträge „Kariesmanagement bei Senioren“ im ZR 01/2021, Seite 10 und „Senioren mit hohem Kariesrisiko: ein Plädoyer für hochdosiertes Fluorid“ im ZR 11/2019, Seite 10.

AUSGABE: ZR 1/2026, S. 18 · ID: 50645232

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