CME-BeitragKennzeichen der Wurzelkariesläsion und ihre Überwachung
Wurzelkaries wird dem dynamischen Entstehen nach in aktive und inaktive Läsionen unterteilt. Da die Differenzierung für die Behandlungsstrategie entscheidend ist, sind die in der Literatur beschriebenen Merkmale wie auch die Empfehlungen zur richtigen Kontrolle der Läsionen wichtig.
Lokalisation der Wurzelkaries
Eine Wurzelkaries befindet sich bevorzugt an Retentionsstellen für den Biofilm, wie z. B. im Bereich des Gingivarandes, von Kronenrändern, an Einziehungen der Wurzeloberfläche oder approximal [1]. Prinzipiell kann Wurzelkaries aber an allen Stellen der Wurzeloberfläche entstehen.
Unterschiede zwischen inaktiver und aktiver Wurzelkaries
Die Beurteilung einer Kariesaktivität spielt eine entscheidende Rolle in der Kariesdiagnostik und -behandlung. Ein europäischer Konsensbericht trug deshalb die in der Literatur beschriebenen Merkmale für die Aktivität einer Wurzelkaries zusammen [2]:
- Inaktive Wurzelkariesläsion: glänzend, bräunlich oder schwarz, glatt und hart, oft nicht von Biofilm bedeckt und mit Abstand vom Gingivarand.
- Aktive Wurzelkariesläsion: matt, gelblich, hellbraun oder bräunlich, rau und weich oder klebrig/lederartig, typischerweise von Biofilm bedeckt und üblicherweise nahe am Gingivarand gelegen.
Eine an den Universitäten Genf und Bern durchgeführte Studie auf Grundlage einer Umfrage bei Schweizer Zahnärzten zeigte in diesem Zusammenhang, dass sich die Diagnose aktiver Läsionen als einfacher erwies als die Diagnose inaktiver [3].
Wiederherstellung der Reinigungsfähigkeit
Die Experten des Konsensberichtes [2] stellten auch fest, dass eine nur schwer mechanisch reinigbare, kavitierte Kariesläsion, wie sie bei Wurzelkaries vorliegen kann, eine ungestörte Biofilmbildung ermöglicht und in der Regel als aktiv eingestuft werden sollte. Deshalb sei die Wiederherstellung der Reinigungsfähigkeit auch bei Wurzelkaries ein zentrales Prinzip der Kariesbehandlung. Ist eine inaktive Wurzelkaries kavitiert und reinigungsfähig, muss nicht eingegriffen werden [1].
Überwachung der Kariesdynamik
Wichtig ist die Überwachung der Kariesdynamik inaktiver und aktiver Wurzelkariesläsionen [2]. Dazu sollte an den Kontrollterminen notiert werden, ob die nicht-invasiven Präventionsmaßnahmen erfolgreich sind bzw. ob eine Läsion weiter voranschreitet und ggf. eine Restauration erforderlich macht. Hierfür, wie auch für angedachte röntgenologische Kontrollen stellt sich die Frage nach geeigneten Zeitintervallen. Die Experten empfehlen dazu, auf Grundlage grundsätzlicher Annahmen zu röntgenologischen Karieskontrollen (Patienten mit hohem Kariesrisiko alle 6–18 Monate für Bissflügelaufnahmen, Patienten mit mittlerem bis niedrigem Kariesrisiko alle 12 bzw. 24–48 Monate), die Intervalle patientenindividuell festzulegen und sich dabei zu orientieren an den Aspekten
- Alter des Patienten,Aspekte zum Festlegen der Kontrollintervalle
- aktive oder passive Läsion,
- Kariesprogression,
- vorhandene Interdentalkontakte und
- Mundhygiene.
Zusätzlich zur klinischen Inspektion und zu Bissflügelaufnahmen kann die Laserfluoreszenz einer Fallserie von Mitchell et al. zufolge ein potenziell geeignetes Instrument zur Bewertung der Kariesaktivität darstellen [4].
Die Autoren der schweizerischen Studie [3] stellten fest, dass Patienten mit nicht-invasiven Maßnahmen bei Wurzelkaries meistens im halbjährlichen Rhythmus zur Kontrolle bestellt wurden. Allerdings beobachteten Wierichs et al. [5], dass eine darüber hinausgehende Anzahl von Kontrollen pro Jahr zu einer gesteigerten Interventionsrate bei Wurzelkaries führte. Das könne potenziell unnötiges Eingreifen nach sich ziehen, sodass die Autoren dafür plädieren, die Recallabstände sorgsam festzulegen.
Das Wichtigste in Kürze |
Bei Wurzelkaries wird zwischen inaktiven und aktiven Läsionen unterschieden. Die jeweils typischen Kennzeichen helfen bei der Einordnung, um die richtige Therapieentscheidung zu treffen. Mit patientenindividuellen Recallintervallen muss die Dynamik des Geschehens überwacht werden. |
- [1] Frankenberger R, Ganß C, Jung K, Schlüter N. Wurzelkaries – Prävention und individualisierte Therapiestrategien. zm (113) Nr. 13, 01.07.2023: 1148–1157.
- [2] Neuhaus KW et al. Organization for Caries Research-European Federation of Conservative Dentistry Consensus Report on Clinical Recommendations for Caries Diagnosis Paper II: Caries Lesion Activity and Progression Assessment. Caries Res. 2024;58(5):511–520. doi.org/10.1159/000538619.
- [3] Niemeyer SH, Boss Y, Maniewicz S, Campus G, Tennert C, Carvalho TS, Wierichs RJ. Decision making and management of root caries: A practice-based survey. J Dent. 2024 Jul;146:105062. doi.org/10.1016/j.jdent.2024.105062.
- [4] Mitchell C et al. The accuracy of laser fluorescence (DIAGNOdent) in assessing caries lesion activity on root surfaces, around crown margins, and in furcations in older adults. BDJ Open. 2021 Mar 23;7(1):14. doi.org/10.1038/s41405-021-00069-2.
- [5] Wierichs RJ, Kramer EJ, Meyer-Lueckel H. Risk factors for failure in the management of cervical caries lesions. Clin Oral Invest 21, 2123–2131 (2017). doi.org/10.1007/s00784-016-2002-1.
AUSGABE: ZR 1/2026, S. 7 · ID: 50645993