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CME-BeitragRestaurationstherapie bei Wurzelkaries: Welches Material ist geeignet?

Abo-Inhalt17.12.2025209 Min. Lesedauer

Die Restauration einer Wurzelkariesläsion ist aufgrund ihrer Lokalisation und Beschaffenheit eine besondere Herausforderung. Experten haben sich damit beschäftigt, was die Wahl des Füllungsmaterials beeinflussen sollte und ob ein Material bevorzugt werden kann.

Evidenzlage für eindeutige Materialempfehlung schwach

Eine gemeinschaftliche Übersichtsarbeit aus Deutschland und der Schweiz beschäftigte sich mit der Frage, ob sich klinisch bestimmte Füllungs- und Adhäsivmaterialien evidenzbasiert besser zur Behandlung kavitierter Wurzelkariesläsionen eignen als andere [1]. Anhand der Auswertung von klinischen Studien mit insgesamt 1.263 versorgten Wurzelkariesläsionen bei 473 Patienten über einen Beobachtungszeitraum von 6, 12 und 24 Monaten wurden alle verfügbaren Kombinationen von

  • Adhäsiven (Ein-Schritt-selbstätzendes-Adhäsiv; Zwei-/Drei-Schritt-Etch-and-Rinse-Adhäsiv) und den
  • Füllungsmaterialien konventionelles Komposit sowie konventionelle und kunststoffmodifizierte Glasionomerzemente untersucht.

Demnach zeichnete sich bei der Anwendung eines Zwei-/Drei-Schritt-Etch-and-Rinse-Adhäsivs in Kombination mit einem konventionellen Komposit und einem kunststoffmodifizierten Glasionomerzement (etwas schwächer) nach 24 Monaten eine Tendenz zu einer höheren Überlebensrate ab, im Vergleich zum konventionellen Glasionomerzement.

Empfehlungen der aktuellen Konsenserklärung

Laut Paris [2] ist Komposit das Material der Wahl, weil es auch bei Wurzelkaries das langlebigere Füllungsmaterial darstellt, wenn es gut anwendbar ist (nicht tief, schnell, einfach) [2]. So empfiehlt auch die gemeinsame Konsenserklärung von ORCA und EFCD vor dem Hintergrund, dass die Bereiche der Wurzelkaries oft nur schwer zu erreichen sind und die Konzilianz älterer Patienten abnimmt, die Wahl zwischen den möglichen Restaurationsmaterialien Komposit, kunststoffmodifizierter oder konventioneller Glasionomerzement in Abhängigkeit von den ästhetischen Anforderungen und Möglichkeiten der Feuchtigkeitsregulierung zu treffen [3].

In Fällen erschwerter Feuchtigkeitskontrolle und Handhabung können Glasionomerzemente präferiert werden. Auch wenn die atraumatische Restaurationstechnik (ohne rotierende Instrumente) gegenüber konventionellen Techniken mit höheren Versagensraten assoziiert ist, sollte sie bei schwierigem Zugang und bei pflegebedürftigen Patienten in Betracht gezogen werden [2,3].

Wirkung von Ionenfreisetzenden Materialien

Mit der Ionenfreisetzung von bei Wurzelläsionen verwendeten Restaurationsmaterialien beschäftigte sich eine vier Länder übergreifende In-vitro-Studie [4]. Demnach werden Fluorid, Kalzium und Phosphat aus den getesteten Materialien Equia Forte HT Fil, Stela Self Cure und Riva Self Cure in signifikanter Abhängigkeit zu pH-Wert, Temperatur und Expositionsdauer ausgeschüttet. So zeigte Equia Forte HT Fil die höchste Fluoridfreisetzung (34,59 ± 0,63 mg/L) in basischer Umgebung bei 37 Grad nach vier Wochen, Stela Self Cure erreichte im Maximum 3,55 ± 0,24 mg/L nach 28 Tagen bei 44 Grad in basischem Milieu, Riva Self Cure nach vier Wochen bei 44 Grad in saurem Milieu 7,67 ± 0,49 mg/L.

Während die Phosphatfreisetzung bei allen Testmaterialien relativ stabil blieb, war die Kalziumfreisetzung sehr unterschiedlich: Stela Self Cure wies im basischen Milieu die höchste Kalziumfreisetzung auf, während Equia Forte HT Fil in verschiedenen pH-Bedingungen durchweg niedrigere Kalziumkonzentrationen zeigte, was den Autoren zufolge für eine höhere Stabilität spreche.

Ihr praktisches Fazit insgesamt: Wurzelkaries bei Älteren benötigt Füllungsmaterialien mit remineralisierendem Charakter, wie sie durch Ionenfreisetzung aus bioaktiven Materialien erreicht werden, weil bei dieser Patientengruppe die Wechselwirkung von pH-Wert und Ionenfreisetzung insofern eine besondere Rolle spielt, als dass wegen Speichelveränderungen, Polypharmazie und Ernährungsgewohnheiten der intraorale pH-Wert oft Veränderungen unterliegt. Restaurationsmaterialien wie z. B. Equia Forte HT Fil, deren Ionenfreisetzung auf saure und thermische Bedingungen reagiert, eignen sich dafür besonders.

Auf klassische Kavitätenzugänge verzichten

Im Therapieprozedere einer Wurzelkariesversorgung sind die klassischen Zugänge der Kavitätenpräparation oft ungeeignet [2]. Stattdessen sollte ein horizontaler Zugang erwogen werden, um gesunde Zahnhartsubstanz nicht unnötig zu opfern und eine Pulpenöffnung zu riskieren. Der Einsatz von einseitig belegten diamantierten Ultraschallinstrumenten, die oszillierend verwendet werden können, hat bei der Präparation den Vorteil, dass die Papille intakt bleibt und nicht blutet. Im approximalen Bereich sollte die Füllung mithilfe einer modifizierten Matrize gelegt werden, eventuell sollte noch eine Stabilisierung unter Hinzuziehung z. B. eines Keils, Teflonbandes, lichthärtenden Komposits, lichthärtenden Kofferdams erfolgen. Anschließend kann von der Seite her das Füllungsmaterial hereingespritzt werden.

Das Wichtigste in Kürze

Bei der restaurativen Versorgung einer Wurzelkaries bestimmt patientenorientiertes Vorgehen die Materialauswahl. Wenn eine optimale Therapie mit einem Komposit nicht möglich ist, kann auch ein Glasionomerzement „die Behandlung der Wahl für den Einzelnen sein“ [3]. Da verschiedenen Materialien unterschiedliches Ionenfreisetzungsverhalten nachgewiesen wurde, gehört auch hier zu einer sorgfältigen Entscheidung für eines der möglichen Materialien (Komposit, kunststoffmodifizierter bzw. konventioneller GIZ), die jeweilige klinische Situation zu berücksichtigen.

Quellen
  • [1] Schmidt J et al. Systematic review and network meta-analysis of restorative therapy and adhesive strategies in root caries lesions. J Dent. 2024 Mar;142:104776. doi.org/10.1016/j.jdent.2023.104776.
  • [2] Paris S. CP GABA meets DGZ: Wurzelkaries und Zahnerhalt in einer alternden Bevölkerung – Herausforderungen und Lösungsansätze. Das Webinar vom 17.09.2025 ist nach wie vor abrufbar (iww.de/s14828) und mit 3 CME-Punkten ausgewiesen.
  • [3] Paris S, Banerjee A, Bottenberg P et al. How to Intervene in the Caries Process in Older Adults: A Joint ORCA and EFCD Expert Delphi Consensus Statement. Caries Res. 2020; 54(5-6): 459–465. doi.org/10.1159/000510843.
  • [4] Aliberti A et al. Calcium, phosphate and fluoride ionic release from dental restorative materials for elderly population: an in vitro analysis. Front Oral Health. 2025 Aug 11;6:1609502. doi.org/10.3389/froh.2025.1609502.

AUSGABE: ZR 1/2026, S. 15 · ID: 50650431

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