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CME-Beitrag Patientenvertrauen in KI in der Zahnmedizin – Chancen und Vorbehalte

Abo-Inhalt16.01.20263 Min. Lesedauer

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Zahnmedizin wächst. Algorithmen unterstützen zunehmend bei der bildbasierten Diagnostik, Behandlungsplanung und patientenorientierten Informationsaufbereitung. Neben technischen Fortschritten gewinnt die Frage nach dem Vertrauen der Patienten in diese Technologien an Bedeutung: Akzeptieren sie KI-gestützte Diagnosen? Beeinflusst der KI-Einsatz das therapeutische Verhältnis?

Positive Erwartungen, aber keine unkritische Zustimmung

Studien zeigen ein differenziertes Bild der Patientenwahrnehmung. Eine deutsch-niederländische Studie mit 330 Teilnehmern ermittelte anhand von Fragebögen, dass Patienten grundsätzlich eine positive Einstellung gegenüber dem Einsatz von KI in der Zahnmedizin haben [1].

Viele sehen Vorteile wie gesteigerte diagnostische Sicherheit (60,8 Prozent), reduzierte Behandlungszeiten (48,3 %) und individualisierte, evidenzbasierte Therapien (43 %). Dabei erwarten über 40 Prozent, dass KI in den nächsten fünf bis zehn Jahren integraler Bestandteil zahnärztlicher Versorgung sein wird. Gleichzeitig identifizierten die Befragten Nachteile, etwa mögliche Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis (36,2 %) oder erhöhte Kosten (31,7 %) [1].

Eine weitere aktuelle Studie ermittelte die Einstellung von 272 Patienten gegenüber KI in der Zahnmedizin (konkret bei der Diagnostik von okklusaler Karies auf Röntgenbildern) und ihr Vertrauen in Zahnärzte [2]:

  • Die Patienten hielten KI für nützlich.
  • Sie hatten keine Angst vor deren Einsatz in der Zahnmedizin.
  • Der Bildungsstand korrelierte signifikant mit der Einstellung der Patienten zur Nutzung von KI in der zahnärztlichen Diagnostik.
  • Die Patienten gaben an, „dass Zahnärzte äußerst gründlich und sorgfältig arbeiten“.

Skepsis gegenüber KI-basierter medizinischer Beratung

In einer Studie mit insgesamt 2.280 Teilnehmenden wurde untersucht, wie vertrauenswürdig die Probanden eine digitale medizinische Beratung einstuften, die angeblich von einem „KI-Chatbot“, „Arzt + KI“ oder „nur Arzt“ stammten [3]. Obwohl alle Probanden identische Informationen erhielten, bewerteten sie Beratungen, die von einer KI oder vom „Arzt + KI“ stammten, als weniger zuverlässig und empathisch als solche eines Mediziners allein. Entsprechend sank auch die Bereitschaft, den Empfehlungen zu folgen, sobald eine KI-Beteiligung angenommen wurde.

Einordnung durch die FDI

Der Weltverband der Zahnärzte (World Dental Federation, FDI) betont in seiner Stellungnahme zur KI in der Zahnmedizin [4], dass der Einsatz nur auf Basis fundierter Fachkenntnisse und nach den Prinzipien der evidenzbasierten Zahnmedizin erfolgen sollte. KI-Anwendungen seien kritisch hinsichtlich ihres tatsächlichen Nutzens, möglicher Verzerrungen, ihrer Generalisierbarkeit sowie der entstehenden Kosten zu bewerten und primär als Assistenzsysteme einzusetzen, wobei die diagnostische und therapeutische Verantwortung stets beim Menschen verbleiben müsse.

Das Wichtigste in Kürze

Patienten erkennen das Potenzial von KI in der Zahnmedizin an, begegnen ihrem Einsatz jedoch nicht vorbehaltlos. Vertrauen entsteht weniger durch die Technologie selbst als durch ihre transparente, unterstützende Nutzung im (zahn-)ärztlichen Kontext. Für die Praxis bedeutet dies: KI kann Akzeptanz finden, wenn sie als Werkzeug zur Unterstützung – nicht zum Ersatz – der zahnärztlichen Expertise eingesetzt und entsprechend kommuniziert wird.

Quellen
  • [1] Ayad N et al. Patients‘ perspectives on the use of artificial intelligence in dentistry: a regional survey. Head Face Med. 2023 Jun 22;19(1):23. doi.org/10.1186/s13005-023-00368-z.
  • [2] Bahadir HS et al. Patients‘ attitudes toward artificial intelligence in dentistry and their trust in dentists. Oral Radiol. 2025 Jan;41(1):52–59. doi.org/10.1007/s11282-024-00775-1.
  • [3] Reis M, Reis F, Kunde W. Influence of believed AI involvement on the perception of digital medical advice. Nat Med. 2024 Nov;30(11):3098–3100. doi.org/10.1038/s41591-024-03180-7.
  • [4] FDI World Dental Federation, Künstliche Intelligenz in der Zahnmedizin, 2024, iww.de/s14918

AUSGABE: ZR 2/2026, S. 13 · ID: 50669679

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