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Schwierige Mandanten Teil 4Der Besserwisser: Umgang mit selbsternannten Experten

Abo-Inhalt10.01.20264 Min. LesedauerVon Dr. Doortje Cramer-Scharnagl, Edewecht

Eine besondere Herausforderung sind Besserwisser als Mandanten: Sie recherchieren vorab und sind sicher, dass ihre eigenen Überzeugungen richtig sind. Sie kommen mit ausgedruckten Wikipedia-Artikeln, einer vorgefertigten Lösung und eigenen Schriftsätzen in die Kanzlei, die Sie „nur noch weiterleiten“ müssen. In Teil 4 dieser Serie zeigen wir Ihnen, wie Sie gekonnt zwischen „Da haben Sie Recht” und berechtigter juristischer Richtigstellung navigieren, dabei Stress vermeiden und echtes Vertrauen aufbauen.

So erkennen Sie den Besserwisser

Sie müssen immer Recht haben – und vor allem das letzte Wort: Besserwisser lassen nichts unkommentiert. Schon daran sind sie leicht zu erkennen. Einige weitere typische Verhaltensweisen:

Praxistipp — Im Verhalten ähnelt der Besserwisser oft dem Sicherheitsfanatiker, wobei letzterer aus anderen Motiven handelt: Er fühlt sich nicht übermäßig selbstsicher, sondern sehr unsicher. Dennoch helfen die dargestellten Strategien bei beiden Typen.

  • 1. Selbstständige Recherche: Der Besserwisser nutzt intensiv das Internet und verschiedene Informationsportale, um sich über rechtliche Themen zu informieren. Dies hat oft zur Folge, dass er bereits zahlreiche eigene Ideen im Kopf hat, wenn er Ihre Kanzlei kontaktiert.
  • 2. Zweifel an Ihrer Expertise: Aufgrund seiner eigenen Recherchen wird der Besserwisser häufig Ihren Ausführungen nicht sofort glauben. Er neigt dazu, Aussagen zu hinterfragen, und beginnt in Gesprächen seine Sätze häufig mit „Aber …“.
  • 3. Aktives Mitdenken: Besserwisser sind oft stark in den Prozess involviert, stellen viele Fragen und erwarten detaillierte, gut begründete Erklärungen.
  • 4. Ausweichen und Ausholen: Besserwisser beantworten Fragen meist nicht kurz und präzise. Lieber weichen sie aus und gehen zu Aspekten über, die sie selbst für viel wichtiger erachten.

Das sind die typischen Kommunikationsfallen

Der Austausch mit einem Besserwisser kann schnell in eine Konfrontation umschlagen. Das gilt vor allem, wenn er den Eindruck hat, dass Sie seine Informationen ignorieren oder gar abwerten. Um gehört und wahrgenommen zu werden, neigt er dazu, zu viele Informationen und Details zu übermitteln – gerne auch schriftlich. Das kann die gemeinsame Arbeit ineffizient machen. Es zieht Gespräche in die Länge und erschwert klare Ergebnisse.

Praxistipp — Wenn der Besserwisser das Gefühl hat, dass Sie seine Sichtweise und seine Informationen nicht ernst nehmen, kann es passieren, dass er sich besonders ausführlich rechtfertigt und noch mehr Details liefert. Im schlimmsten Fall entzieht er Ihnen sein Vertrauen komplett.

So kommunizieren Sie erfolgreich mit Besserwissern

Eine positive Mandatsbeziehung mit Besserwissern ist anstrengend und erfordert eine besonders bewusste und strukturierte Herangehensweise. Folgende Strategien helfen dabei:

PRAXISTIPP — Geben Sie dem Besserwisser nützliche und zuverlässige Informationsquellen an die Hand, die Ihre Argumentation unterstützen. Dies gibt ihm das Gefühl, dass er gut informiert ist, und stärkt sein Vertrauen in Ihre Expertise. Ermutigen Sie ihn, Fragen zu stellen. Nehmen Sie sich die Zeit, diese Fragen ausführlich zu beantworten. Stellen Sie sicher, dass er die Informationen vollständig verstanden hat, bevor Sie zum nächsten Punkt übergehen.

Merke — Fragen Sie den Mandanten nach seiner Meinung zu Ihren Ausführungen und holen Sie sein Feedback ein. Dies ermöglicht es ihm, sich aktiv am Prozess zu beteiligen und vermittelt ihm das Gefühl von Mitbestimmung. Fassen Sie am Ende jedes Gesprächs die wichtigsten Punkte zusammen und prüfen Sie, ob der Mandant Änderungswünsche oder weitere Fragen hat (Achtung: Das gilt nicht für die Formulierungen in Ihren Schriftsätzen!). Dies schafft Vertrauen und vermeidet Missverständnisse.

  • Zeigen Sie dem Besserwisser, dass Sie seine Ansichten und Informationen ernst nehmen. Aktives Zuhören (AK 25, 195, Abruf-Nr. 50507354) hilft dabei.
  • Bereiten Sie sich darauf vor, Ihre Empfehlungen und Entscheidungen eingehend zu begründen und kritische Nachfragen zu beantworten.
  • Bestätigen Sie die Wichtigkeit seiner Informationen.
  • Erklären Sie, wo diese Informationen aus Ihrer Sicht passen oder auch nicht passen. So legen Sie die Grundlage für einen konstruktiven Dialog statt eines Wortgefechts.
  • Reduzieren Sie komplexe Informationen auf das Wesentliche. Teilen Sie Informationen in logische Abschnitte und vermeiden Sie es, den Besserwisser mit eigenen Details zu überfordern.
  • Die Arbeit mit Besserwissern klappt umso besser, je mehr diese das Gefühl haben, aktiv in Entscheidungen einbezogen zu werden.
Weiterführende Hinweise
  • In einer der nächsten Ausgaben geht es im Teil 5 mit dem Typ des Aggressiven weiter.
  • So unterstützen Persönlichkeitsmodelle die gelungene Kommunikation mit Mandanten, AK 25, 132
  • Der Erfolgsmensch: Zusammenarbeit mit „Siegertypen“, AK 25, 195
  • Der Skeptiker: Kommunikation mit chronischen Bedenkenträgern, AK 25, 215
  • Mit aktivem Zuhören legen Sie die Grundlage für erfolgreiche Mandate AK 23, 32

AUSGABE: AK 1/2026, S. 13 · ID: 50640075

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