ExpertenstatusSouverän und wirkungsvoll: Wie Ihnen ein Fachvortrag gelingt
Ein gelungener Fachvortrag ist mehr als die reine Wissensvermittlung. Er ist eine Bühne, auf der Sie sich als Experte präsentieren, Ihr Fachwissen verständlich aufbereiten und eine nachhaltige Wirkung hinterlassen können – bei Mandanten, Kollegen und potenziellen Geschäftspartnern. Die Fähigkeit, komplexe juristische Inhalte klar und überzeugend zu präsentieren, ist ein wesentlicher Baustein für Ihren beruflichen Erfolg. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie einen Fachvortrag so gestalten, dass er sowohl inhaltlich als auch in seiner Wirkung überzeugt.
Diese 7 Faktoren machen Ihren Auftritt überzeugend
Zielsetzung: Was soll am Ende bleiben?
Die wichtigste Frage zu Beginn lautet: Was genau wollen Sie mit Ihrem Vortrag erreichen? Die reine Vermittlung fachlicher Themen sollte nicht Ihr Ziel sein. Entscheidend ist, welcher praxisrelevante Mehrwert oder welche Handlungsbotschaft beim Publikum am Ende hängen bleiben soll.
Im juristischen Umfeld wirken Inhalte oft abstrakt. Wollen Sie beispielsweise über eine Gesetzesänderung informieren, Mandanten für ein bestimmtes Vorgehen sensibilisieren oder Kollegen für ein kanzleiinternes Projekt gewinnen? Eine präzise Zielsetzung ist Ihr Kompass für die inhaltliche Struktur und hilft, den Vortrag konsequent auf das jeweilige Publikum auszurichten und Überflüssiges wegzulassen.
Praxistipp — Überlegen Sie sich vorab, mit welchen Worten Sie sich und Ihre Kanzlei zu Beginn Ihres Vortrags vorstellen. Schließlich haben Sie in dieser, einem „Elevator Pitch“ ähnlichen Situation, häufig nur einen kurzen Moment, für sich und Ihr Thema zu werben und zugleich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mehr Tipps zu einem perfekten Elevator Pitch erfahren Sie in diesem Blogbeitrag der Autorin: iww.de/s14362.
Die Perspektive des Publikums einnehmen
Juristen neigen dazu, stark fachlich zu denken – verständlich, schließlich ist das Ihre Komfortzone. Doch ein guter Fachvortrag beginnt mit der Frage: Was braucht mein Publikum?
Analysieren Sie vorab, wer im Raum sitzt. Handelt es sich um Fachkollegen, die tief ins Detail gehen wollen? Oder um fachfremde Zuhörer, die v. a. an den praktischen Auswirkungen interessiert sind? Passen Sie Sprache, Beispiele und Tiefe der Inhalte gezielt an, um alle mitzunehmen. Wenn das Publikum Ihnen nicht folgen kann, schmälert das Ihre Wirkung.
Struktur und Dramaturgie: Der rote Faden
Ein gelungener Fachvortrag hat eine klare Struktur. Diese sollte für das Publikum erkennbar sein – von der Einleitung über den Hauptteil bis zum Schluss.
- Einstieg: Schaffen Sie Aufmerksamkeit, z. B. durch eine provokante These, eine überraschende Statistik oder ein kurzes Fallbeispiel.
- Hauptteil: Gliedern Sie die Inhalte in logische Abschnitte, kündigen Sie Übergänge an und fassen Sie regelmäßig zusammen.
- Schluss: Wiederholen Sie die Kernbotschaften, geben Sie einen Ausblick oder formulieren Sie eine klare Handlungsaufforderung.
Eine gute Dramaturgie sorgt dafür, dass Ihre Botschaften nicht nur gehört, sondern auch erinnert werden.
Machen Sie sich außerdem bewusst, dass die Aufmerksamkeit des Publikums anders als Ihre verläuft (vgl. dazu die Grafik).
Richten Sie Ihren Fokus nicht allein auf den Hauptteil Ihres Vortrags. Beginnen Sie mit einem starken Einstieg, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern. Beenden Sie diesen mit einem nachhaltigen Schluss, sodass dieser bei Ihren Zuhörern im Gedächtnis bleibt.
Methodenwechsel für mehr Aufmerksamkeit
Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt nach 15 bis 20 Minuten rapide. Planen Sie daher bewusst Methodenwechsel ein: Wechseln Sie von Ihrer inhaltlichen Präsentation zu praktischen Beispielen (idealerweise grafisch dargestellt und gut erzählt), holen Sie zu einer Frage die Meinung Ihres Publikums ein, lassen Sie eine kurze Diskussion zu oder zeigen Sie zur Erläuterung von Statistiken eine passende Grafik.
Solche Brüche im Ablauf holen das Publikum aus der Passivität und bringen neue Energie in den Raum. Besonders wirkungsvoll ist es, das Publikum aktiv einzubinden – z. B. durch eine kurze Meinungs- oder Stimmungsumfrage oder die Frage, wie die Teilnehmer in einem konkreten Fall vorgehen würden.
Komplexes verständlich machen
Juristische Inhalte sind oft abstrakt, detailreich und gespickt mit Fach-begriffen. Für einen überzeugenden Fachvortrag gilt daher: Übersetzen Sie Ihr Fachwissen in eine Sprache, die für Ihr Publikum funktioniert.
Nutzen Sie deutliche Beispiele, praxisnahe Analogien, anschauliche Metaphern, Bilder oder Grafiken. Anstatt Gesetzespassagen wortwörtlich zu zitieren, erklären Sie, was sie konkret bedeuten und warum sie für das Publikum relevant sind. So sichern Sie nicht nur Verständnis und Aufmerksamkeit, sondern auch den im Interesse des Publikums praxisrelevanten Mehrwert.
Verschiedene Lerntypen ansprechen
Menschen verarbeiten Informationen unterschiedlich: Manche bevorzugen das Hören, andere visuelle Darstellungen, wieder andere den praktischen Bezug. Gestalten Sie Ihren Fachvortrag so, dass Sie möglichst viele Sinne ansprechen, damit sich Ihr Publikum an die Inhalte erinnert:
- Auditiv: klare Sprache, lebendige Beispiele, Betonung wichtiger Punkte.
- Visuell: Schaubilder, Grafiken, Fotos, kurze Videos.
- Kognitiv: logische Argumentationsketten, präzise Definitionen.
- Pragmatisch: Praxisbeispiele, konkrete Handlungsempfehlungen.
Weniger ist mehr
Die Versuchung ist groß, möglichst viel Wissen in den Vortrag zu packen. Doch überladene Folien und zu viele Details überfordern schnell. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf wenige, zentrale Botschaften und wiederholen Sie diese an wichtigen Stellen.
Verwenden Sie nur Stichpunkte und Schlüsselwörter – außer bei Zitaten (wie bspw. aus dem Gesetzestext) – und niemals ganze Textblöcke. Ihre Folien sind eine visuelle Unterstützung für Ihr Publikum, nicht Ihr Vortragsmanuskript.
Vom Vortrag zur nachhaltigen Wirkung
Ihr Fachvortrag wird besonders wirkungsvoll, wenn er Ihre persönliche Note trägt. Nutzen Sie das „Storytelling“, indem Sie eigene Erfahrungen teilen, Einblicke in Ihre juristische Arbeit geben oder aufzeigen, wie Sie – oder Gerichte – zu bestimmten Erkenntnissen oder Ergebnissen gekommen sind. So bleiben Sie als Mensch im Gedächtnis – nicht nur als Fachexperte.
Stellen Sie im Anschluss Materialien zur Verfügung. Beantworten Sie offene Fragen und gehen Sie gezielt in den Dialog. Auf diese Weise festigen Sie Ihre Position als Experte und vertiefen die Beziehung zu Ihrem Publikum.
- Am 17.4.26 findet der sechste JuristinnennetzwerkenTag statt – das virtuelle Networking-Event für, von und mit Juristinnen. Dieses Jahr geht es um das Thema „THE STAGE IS YOURS – Personal Branding durch Vorträge“. Seien Sie dabei: www.juristinnennetzwerkentag.de.
- In einer der nächsten Ausgaben erfahren Sie, wie Sie Ihre Fachvorträge gezielt für Networking und Mandatsakquise einsetzen.
AUSGABE: AK 1/2026, S. 18 · ID: 50640071
