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VermögensberatungWie lange muss ich überleben, damit sich eine Rente statt einer Einmalzahlung lohnt?

Abo-Inhalt05.12.2025113 Min. LesedauerVon Prof. Dr. Peter Hoberg, Worms

| In zahlreichen Situationen müssen Bürger und auch Unternehmen entscheiden, ob sie eine Einmal- oder eine Ratenzahlung präferieren. Dabei kann es sich um zukünftige Ein- oder Auszahlungen handeln. Ein typisches Beispiel sind Rentenzahlungen. Leider werden im Rahmen dieser Entscheidungsfindung oft massive Fehler begangen. Ein häufiger Fehler ist, dass die Kapitalkosten bzw. Zinsen nicht berücksichtigt werden. Als Steuerberater können Sie Ihre Mandanten dabei unterstützen, die korrekte Amortisationsdauer unter Einbeziehung der Zinsen zu ermitteln. |

1. Finanzmathematische Grundlagen

1.1 Statische Amortisation

Das Kriterium der Amortisation ist auf den ersten Blick überzeugend einfach. Es wird der Zeitraum ermittelt, bis das investierte Anfangskapital zurückgeflossen ist. Als Beispiel sei eine Solaranlage mit einer Anschaffungsauszahlung von 10 TEUR und gleichmäßigen jährlichen Überschüssen von 1 TEUR1;tn angenommen. Zur höheren Präzision tragen die Währungseinheiten einen Zeitindex (vgl. zu dieser erweiterten Schreibweise Hoberg [2018], S. 468 ff.). In dieser statischen Variante werden Zinsen nicht berücksichtigt. Mit diesen Daten ist das Anfangskapital nach 10 ÷ 1 = 10 Jahren wieder im Unternehmen. Daraus wird geschlossen, dass sich das Projekt gelohnt hat. In der Problemstellung der Länge des Rentenbezugs würde dies bedeuten, dass sich die Wahl der Rente dann gelohnt hat, wenn der Bezieher noch mehr als zehn Jahre lebt.

In der statischen Variante wird die Amortisationsdauer also durch die Division des Anfangskapitals (A) durch die gleichmäßigen jährlichen Überschüsse (ü) ermittelt:

AMstat = A0 ÷ ü

AMstat

Statische Amortisationsdauer in Perioden (meist Jahre)

A

Anschaffungsauszahlung in t = 0, hier die Einmalauszahlung

ü

Überschüsse, die gleichmäßig anfallen in EUR1;tn, hier die Renten

Wenn die Überschüsse unterschiedlich hoch sind, lässt sich die Formel nicht anwenden und es muss eine stufenweise Vorgehensweise gewählt werden (vgl. hierzu Varnholt/Hoberg/Wilms/Lebefromm, S. 59 ff.). Zinsen werden in diesem Ansatz nicht berücksichtigt. Wenn für die Daten des obigen Beispiels ein Zinssatz von über 10 % angenommen werden muss, dann liegen die Zinsen über den jährlichen Überschüssen. Eine echte Amortisation tritt somit niemals ein, obwohl das statische Modell dies nach zehn Jahren zeigt und einige Investoren auf dieser Basis positiv entscheiden würden. Somit ist offensichtlich, dass die Kapitalkosten bei der Berechnung der dynamischen Amortisation berücksichtigt werden müssen.

1.2 Dynamische Amortisation

Bei der dynamischen Amortisation gilt der Grundgedanke, dass die Laufzeit so lange ausgedehnt wird, bis die verzinste Summe der Einzahlungen die verzinste Summe der Auszahlungen überholt. Als einheitlicher Vergleichszeitpunkt für alle Verzinsungen bietet sich der Startzeitpunkt (t = 0) an, was mit dem Kapitalwertkriterium gegeben ist (vgl. hierzu Hoberg (2024b), S. 1 ff.). Der Kapitalwert (KW) ergibt sich wie folgt (vgl. z. B. Götze, S. 78 ff., Varnholt/Hoberg/Wilms/Lebefromm, S. 59 ff.):

KW

Kapitalwert zum Zeitpunkt t = 0 (in EUR)

et

Einzahlungen zum Zeitpunkt t (in EURt)

at

Auszahlungen zum Zeitpunkt t (in EURt)

q

Jahreszinsfaktor = 1 + i

i

Jahreszinssatz, ggf. nach Steuern

Beachten Sie | Wenn sich die jährlichen Überschüsse (et – at) nicht ändern, kann der gleichmäßige Überschuss (ü) ohne Zeitindex geschrieben werden.

Bei vielen Renten können die Überschüsse in allen Jahren durchaus (weitgehend) gleich sein. Dies gilt allerdings nicht für die staatliche Rente, die in den letzten Jahren stark erhöht wurde. Für diesen hier relevanten Spezialfall ergibt sich die dynamische Amortisationsdauer t* wie folgt (vgl. Varnholt/Hoberg/Wilms/Lebefromm, S. 102):

AMdyn = ln(ü ÷ [ü – Ao × i]) ÷ ln(q)

AMdyn

Dynamische Amortisationsdauer (mit Zinsen) in Jahren

ü

Jährliche, gleichmäßige, nachschüssige Überschüsse (in EUR1;tn)

Ao

Anschaffungsauszahlung in t = 0 (in EUR), hier die Einmalzahlung

Beispiel

Eine Riester-Rente kann vollständig als Rente ausgezahlt oder es kann ein Teil einmalig ausgezahlt werden. In einem Beispiel aus „Stiftung Warentest Finanzen“ (Heft 8/25) wird eine Einmalauszahlung von 12.132 EUR mit einer lebenslänglichen jährlichen Rente von 763 EUR1;t* verglichen. „EUR“ bedeutet, dass die Auszahlung der Einmalzahlung zum Rentenstart in t = 0 anfallen würde. „EUR1;t*“ heißt, dass die erste monatliche Rentenzahlung nach einem Monat geleistet wird und die letzte im Monat des Ablebens, nämlich in t = t*. Im Heft wird – für die meisten Fälle falsch – behauptet, dass derjenige, der die Rente wählt, noch 15,9 Jahre leben muss, damit sich der Verzicht auf die Einmalzahlung gelohnt hat.

Für die mögliche Teilauszahlung der Riester-Rente möge der Zinssatz 5 % p. a. (ggf. nach Steuern) betragen, da der Haushalt z. B. einen Konsumentenkredit bedienen muss. Im Weiteren ist zu ermitteln, wann die Überschüsse im Jahr anfallen. Es sei zunächst angenommen, dass sie jährlich nachschüssig erfolgen. Dies entspricht der impliziten Annahme der dynamischen Investitionsrechnung (vgl. Hoberg [2024a], S. 1 ff.), die allerdings nicht sehr realitätsnah ist, sodass sie später modifiziert werden muss.

Durch das Einsetzen in die obige Formel ergibt sich eine dynamische Amortisationsdauer von 32,48 Jahren (ca. 390 Monate) und damit mehr als doppelt so lange wie im Fall ohne Zinsen. Während 15,9 Jahre (ca. 191 Monate) durchaus erreichbar scheinen, sind 32,48 Jahre eher unwahrscheinlich. In jedem Fall weiß der Rentner in spe dann aber, wie lange er noch leben muss, damit sich die Rente lohnt.

2. Notwendige Rentendauer für (fast) alle Fälle

Das obige Beispiel soll nun verallgemeinert werden, damit jeder die kritische Rentendauer für seine persönlichen Verhältnisse berechnen kann. Dazu wird zunächst der realistischere Fall einer monatlichen nachschüssigen Rente zugrunde gelegt. Für das Beispiel bedeutet dies, dass eine Monatsrate von 763 ÷ 12 = 63,58 EUR1;t* unterstellt wird. Damit ergibt sich für den Fall mit Zinsen eine etwas geringere notwendige Rentendauer von 369,5 Monaten.

Beachten Sie | Ohne Zinsen ist die Frage der monatlichen oder jährlichen Zahlungsweise nicht relevant. In der Realität benötigt der Rentenbezieher das Geld aber offensichtlich eher früher, also monatlich, da auch die Hauptauszahlungen monatlich bedient werden müssen.

In der Tabelle 1 sind verschiedene Zinssätze (ggf. nach Steuern) auf der horizontalen Achse aufgeführt. Geringe Zinssätze von z. B. 2 % dürften den Rentenbezieher abbilden, der sein Geld kurzfristig anlegt. 5 % können für jemanden gelten, der beispielsweise ein Auto finanziert. Die noch höheren Zinssätze sind im Unternehmensumfeld relevant oder wenn eine Privatperson regelmäßig teure Konsumenten- oder sogar Überziehungskredite in Anspruch nimmt.

Gemäß der obigen Formel hängt die Länge der notwendigen Rentenzeit von der Höhe der Einmalauszahlung, der monatlichen Rente und dem effektiven Zinssatz ab. Um die vielen Fälle in einer Tabelle abbilden zu können, muss ein Trick angewendet werden. Dazu wird der Quotient aus Rente und Einmalzahlung gebildet. Zur leichteren Nachvollziehbarkeit wird die Einmalzahlung dabei auf 1.000 EUR normiert:

Anteil: 63,58 ÷ (12.132 ÷ 1.000) = 5,241 EUR1;t* pro 1.000 EUR Einmalzahlung

Diese monatliche Rente von 5,241 EUR1;t* pro 1.000 EUR Einmalzahlung ist in der Tabelle 1 auf der senkrechten Achse dargestellt.

Wenn gemäß der ersten Spalte ein Zinssatz von 0 % gilt, muss sich wieder die kritische Zeitdauer des Rentenbezugs von 190,8 Monaten ergeben (fett gedruckt in Tabelle 1). Mit steigendem Zinssatz verlängert sich die notwendige Rentenzeit kontinuierlich, bis sie bei einem effektiven Jahreszinssatz von 7 % nicht mehr berechenbar ist, da die Zinssätze die relative Rente übersteigen. Dies ist in Tabelle 1 mit „n. a.” (nicht anwendbar) gekennzeichnet. Bei einem effektiven Zinssatz von 5 % ergibt sich wieder eine notwendige Rentenzeit von 369,5 Monaten (fett gedruckt).

Beachten Sie | Der große Vorteil der Rente besteht darin, dass sie lebenslang gezahlt wird – selbst wenn der Empfänger weit über 100 Jahre alt wird.

Tabelle 1: Notwendige Rentenzeit in Monaten (normiert auf 1.000 EUR Einmalzahlung)

Jahreszinssatz effektiv

0,0 %

1,0 %

2,0 %

3,0 %

4,0 %

5,0 %

6,0 %

7,0 %

8,0 %

10,0 %

Höhe der Monatsrate pro 1.000 EUR

2,00

500,0

646,1

1058,9

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

3,00

333,3

390,3

484,6

700,9

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

4,00

250,0

280,3

322,7

389,2

522,0

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

5,00

200,0

218,8

243,0

276,0

325,4

414,8

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

5,24

190,8

207,8

229,4

258,2

299,8

369,5

544,0

n.a.

n.a.

n.a.

6,00

166,7

179,4

195,1

214,9

241,4

279,5

343,4

n.a.

n.a.

n.a.

7,00

142,9

152,1

163,1

176,3

192,9

214,5

244,8

292,4

n.a.

n.a.

8,00

125,0

132,0

140,1

149,6

161,0

175,1

193,1

217,6

n.a.

n.a.

9,00

111,1

116,6

122,9

130,0

138,3

148,2

160,3

175,5

195,7

n.a.

10,00

100,0

104,4

109,4

115,0

121,3

128,7

137,4

147,8

160,8

n.a.

11,00

90,9

94,6

98,6

103,1

108,1

113,8

120,3

128,0

137,1

162,5

12,00

83,3

86,4

89,7

93,4

97,5

102,0

107,1

113,0

119,8

137,5

13,00

76,9

79,5

82,3

85,4

88,8

92,5

96,6

101,2

106,5

119,7

14,00

71,4

73,7

76,1

78,7

81,5

84,6

88,0

91,7

96,0

106,1

15,00

66,7

68,6

70,7

72,9

75,3

77,9

80,8

83,9

87,4

95,5

16,00

62,5

64,2

66,0

68,0

70,0

72,3

74,7

77,3

80,2

86,9

17,00

58,8

60,3

61,9

63,6

65,4

67,4

69,5

71,7

74,2

79,7

18,00

55,6

56,9

58,3

59,8

61,4

63,1

64,9

66,9

69,0

73,7

19,00

52,6

53,8

55,1

56,4

57,9

59,4

61,0

62,6

64,5

68,5

20,00

50,0

51,1

52,2

53,4

54,7

56,0

57,4

58,9

60,5

64,0

21,00

47,6

48,6

49,6

50,7

51,9

53,0

54,3

55,6

57,0

60,1

Beispiel: Andere Datenkombination

Ein Rentner in spe hat das Angebot einer Teilauszahlung von 14.000 EUR erhalten. Die alternative monatliche Rente beträgt 98,00 EUR1;t*. Ohne Zinsen ergeben sich dann 14.000 ÷ 98 = 143 Monate, bis der Rentenbezug vorteilhaft wird.

Die Normierung auf 1.000 EUR Einmalzahlung ergibt 98 ÷ 14 = 7,00 EUR1;t*. Er hat seinen Zinssatz mit 2 % p. a. effektiv abgeleitet. Dann sollte er gemäß Tabelle 1 mindestens noch 163 Monate (ca. 13,5 Jahre) an Lebenszeit erwarten. Im Zweifelsfall sollte er eher die Rente wählen, da er damit das finanzielle „Risiko“ der Langlebigkeit abdeckt.

3. Umrechnung der statischen in die dynamische Amortisation

Wie bereits kritisiert, werden bei der Bewertung von Auszahlungen, z. B. für Renten (Verzicht auf Einmalzahlung), aber auch für Photovoltaik, Wärmepumpen usw., häufig nur die statischen Annuitäten ausgewiesen. Diese vernachlässigen leider den wichtigen Effekt der Zinsen. Der Übergang zur dynamischen Amortisation ist also notwendig. Praktisch wäre es, wenn sich die dynamischen Amortisationsdauern einfach aus den statischen Amortisationsdauern ableiten ließen. Dies ist möglich, solange die Überschüsse in jedem Jahr gleich hoch sind, was z. B. bei einigen Renten und Umweltinvestitionen der Fall ist. Zur Berechnung werden die folgenden Informationen benötigt:

  • Statische Amortisationsdauer
  • Relevanter Jahreszinssatz nach Steuern
  • Information, wann die gleichmäßigen Überschüsse innerhalb des Jahres anfallen

Die gesuchte dynamische Amortisationsdauer ergibt sich, wenn zunächst die Anschaffungsauszahlung und der jährliche Überschuss analysiert werden. Da die statische Amortisation bekannt ist, ist auch das Verhältnis der beiden Größen bekannt. Bei einer statischen Amortisation von 10 ist die Anschaffungsauszahlung zehnmal so groß wie der jährliche Überschuss. Damit lässt sich dann die Formel für die dynamische Amortisation füllen.

3.1 Jährlich nachschüssige Überschüsse

In der Tabelle 2 sind die dynamischen Amortisationsdauern für unterschiedliche Kombinationen von statischer Amortisationsdauer und Zinssatz aufgeführt:

Tabelle 2: Notwendige Rentenjahre mit Zinsen bei jährlich nachschüssiger Rente

Jahreszinssatz effektiv

0,0 %

1,0 %

2,0 %

3,0 %

4,0 %

5,0 %

6,0 %

7,0 %

8,0 %

9,0 %

10,0 %

Statische Amortisation in Jahren (ohne Zinsen)

5,0

5,00

5,15

5,32

5,50

5,69

5,90

6,12

6,37

6,64

6,94

7,27

6,0

6,00

6,22

6,46

6,71

7,00

7,31

7,66

8,05

8,50

9,01

9,61

7,0

7,00

7,29

7,62

7,97

8,38

8,83

9,35

9,95

10,67

11,54

12,63

8,0

8,00

8,38

8,80

9,28

9,83

10,47

11,22

12,13

13,27

14,77

16,89

9,0

9,00

9,48

10,02

10,65

11,38

12,25

13,33

14,70

16,54

19,27

24,16

10,0

10,00

10,59

11,27

12,07

13,02

14,21

15,73

17,79

20,91

26,72

n.a.

11,0

11,00

11,71

12,55

13,55

14,78

16,37

18,51

21,72

27,55

53,44

n.a.

12,0

12,00

12,85

13,86

15,10

16,67

18,78

21,85

27,09

41,82

n.a.

n.a.

13,0

13,00

14,00

15,21

16,72

18,71

21,52

25,99

35,59

n.a.

n.a.

n.a.

14,0

14,00

15,16

16,59

18,43

20,93

24,68

31,45

57,82

n.a.

n.a.

n.a.

15,9

15,90

17,40

19,33

21,93

25,77

32,48

52,84

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

17,0

17,00

18,73

20,98

24,13

29,05

38,88

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

18,0

18,00

19,94

22,54

26,27

32,46

47,19

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

19,0

19,00

21,18

24,14

28,55

36,39

61,40

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

20,0

20,00

22,43

25,80

31,00

41,04

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

21,0

21,00

23,69

27,51

33,64

46,72

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

22,0

22,00

24,97

29,28

36,50

54,06

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

23,0

23,00

26,27

31,12

39,62

64,40

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

24,0

24,00

27,58

33,02

43,07

82,07

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

25,0

25,00

28,91

35,00

46,90

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

26,0

26,00

30,26

37,06

51,22

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

Für die aus dem Beispiel bekannte Kombination der statischen Amortisation von 15,9 Jahren (in den Zeilen) und dem Zinssatz von 5 % (in den Spalten) ergibt sich erneut die dynamische Amortisationsdauer von 32,48 Jahren (fett gedruckt in Tabelle 2). Es findet also die bekannte Verdopplung statt. Bei noch höheren Zinssätzen (rechte Spalten) verschlechtert sich die Vorteilhaftigkeit für die Rente weiter. Wenn sogar ein Zinssatz von 10 % erreicht wird, ist eine Amortisation nur noch dann möglich, wenn die statische Amortisation unter zehn Jahren liegt. Ansonsten bleibt nichts mehr für die Rückzahlung des Kapitals übrig. Dieser Fall ist in den Tabellen mit „n. a.“ ausgewiesen.

Beachten Sie | Aufgrund der teilweise wesentlichen Verlängerung gegenüber der statischen Amortisation ist eine echte Vorteilhaftigkeit häufig nicht mehr gegeben. Diese kann nur bestehen, wenn niedrige Zinssätze vorliegen. Ein privater Investor, der sein Geld z. B. schlecht bzw. sehr vorsichtig in Termingeld anlegt, wäre dann eventuell noch mit einer Rente gut bedient.

3.2 Monatlich nachschüssige Überschüsse

In Tabelle 2 wurde der üblichen impliziten Annahme gefolgt, dass alle Überschüsse eines Jahres am Jahresende anfallen. Dies ist wenig realistisch, da die Vorteile (d. h. die Rentenzahlungen) häufig monatlich nachschüssig anfallen.

Tabelle 3: Notwendige Rentenjahre mit Zinsen bei monatlich nachschüssiger Rente

Jahreszinssatz effektiv

0,0 %

1,0 %

2,0 %

3,0 %

4,0 %

5,0 %

6,0 %

7,0 %

8,0 %

9,0 %

10,0 %

Statische Amortisation in Jahren (ohne Zinsen)

5,0

5,00

5,13

5,27

5,42

5,58

5,75

5,93

6,12

6,34

6,57

6,83

6,0

6,00

6,19

6,39

6,61

6,85

7,12

7,41

7,73

8,08

8,49

8,96

7,0

7,00

7,26

7,54

7,85

8,20

8,59

9,02

9,52

10,10

10,79

11,63

8,0

8,00

8,34

8,72

9,14

9,62

10,17

10,81

11,57

12,49

13,66

15,22

9,0

9,00

9,43

9,92

10,48

11,12

11,88

12,80

13,94

15,42

17,49

20,72

10,0

10,00

10,54

11,15

11,87

12,72

13,76

15,06

16,77

19,21

23,23

32,99

11,0

11,00

11,65

12,42

13,32

14,43

15,82

17,65

20,28

24,59

35,08

n.a.

12,0

12,00

12,78

13,71

14,84

16,26

18,11

20,72

24,88

33,92

n.a.

n.a.

13,0

13,00

13,93

15,04

16,43

18,22

20,69

24,44

31,59

n.a.

n.a.

n.a.

14,0

14,00

15,08

16,41

18,10

20,36

23,64

29,22

44,25

n.a.

n.a.

n.a.

15,0

15,00

16,25

17,82

19,85

22,69

27,09

35,85

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

15,9

15,90

17,32

19,11

21,51

24,98

30,79

45,33

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

17,0

17,00

18,63

20,75

23,66

28,10

36,45

85,11

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

18,0

18,00

19,84

22,28

25,74

31,31

43,46

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

19,0

19,00

21,07

23,86

27,95

34,98

54,18

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

20,0

20,00

22,31

25,49

30,32

39,27

78,03

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

21,0

21,00

23,57

27,18

32,87

44,44

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

22,0

22,00

24,84

28,92

35,62

50,92

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

23,0

23,00

26,13

30,73

38,62

59,63

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

24,0

24,00

27,44

32,60

41,91

72,97

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

25,0

25,00

28,76

34,55

45,56

102,60

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

Da die Überschüsse bereits monatlich und somit früher im Jahr eintreffen, verkürzt sich die dynamische Amortisationsdauer von 32,48 auf 30,79 Jahre. Dieser Wert ist in Tabelle 3 fett gedruckt. Auch wenn die Amortisationsdauer dadurch etwas kürzer ausfällt, ist es kein tolles Angebot. Bei einem Rentenbeginn mit 65 müsste ein Lebensalter von über 95 Jahren erreicht werden.

Die weiteren Zusammenhänge bleiben unverändert. Steigende Zinsen führen zu einer wesentlichen Verlängerung der dynamischen Amortisation, was nachvollziehbar ist. Denn das bedeutet, dass die konkurrierende Einmalzahlung besser verzinst wird.

Fazit | Aufgrund ihrer weiten Verbreitung und einfachen Verständlichkeit wird sich die Anwendung der Amortisationsmethode leider nicht verhindern lassen. Daher sollte zumindest die dynamische Variante gewählt werden. Mithilfe der hier vorgestellten Überleitungstabellen kann eine Umrechnung leicht erfolgen. In den Beispielen verlängerte sich die Amortisation teilweise auf das Doppelte, sodass die Zinsen nicht außer Acht gelassen werden können.

Für die endgültige Entscheidung über die Vorteilhaftigkeit einer Handlungsmöglichkeit ist es wichtig, auch alternative Zahlungsströme aus anderen Szenarien zu analysieren (vgl. Hoberg [2017], S. 22 ff.). Im Fall der Rente geht es um das wahrscheinlich erreichbare Lebensalter, das sich nur schwer schätzen lässt. Insofern sollte der Entscheidungsträger mehrere Szenarien betrachten. Dabei ist zu überlegen, wie hoch das „Langlebigkeitsrisiko” eingeschätzt wird. Im Weiteren ist zu entscheiden, inwieweit die Interessen der Erben berücksichtigt werden sollen. In den Szenarien müsste dann berechnet werden, welches Erbe weitergereicht werden kann bzw. soll.

Weiterführende Hinweise
  • Brealey, R., Myers, S., Marcus, A.: Fundamentals of Corporate Finance, Global Edition, 10. Edition, McGraw-Hill 2020
  • Götze, U.: Investitionsrechnung, Modelle und Analyse zur Beurteilung von Investitionsvorhaben, 7. Aufl., Berlin/Heidelberg 2014
  • Hoberg, P. (2015): Restwerte in der Investitionsrechnung, WISU, 44. Jg., 7/2015, S. 1337 – 1342
  • Hoberg, P. (2017): Die Szenarien-Technik in der BWL, Controlling-Journal, 4/2017, S. 22 – 26
  • Hoberg, P. (2018): Einheiten in der Investitionsrechnung, WISU, 47. Jg., 4/2018, S. 468 – 474
  • Hoberg, P. (2019): Ableitung des Kalkulationszinssatzes (Vergleichszinssatz) für die Investitionsrechnung: www.iww.de/s14290
  • Hoberg, P. (2024a): Grundlagen der dynamischen Investitionsrechnung: www.iww.de/s12442
  • Hoberg, P. (2024b): Dynamische Investitionsrechnung: Kapital- und Endwerte: www.iww.de/s14291
  • Hoberg, P. (2024c): Controllers Trickkiste: Umrechnung der statischen in die dynamische Amortisation: www.iww.de/s14292, Update 7.2.25
  • Stiftung Warentest Finanzen: 5 Optionen für Ihre Riester-Auszahlung, 8/2025, S. 29 ff.
  • Varnholt, N., Hoberg, P., Wilms, S., Lebefromm, U.: Investitionsmanagement – Betriebswirtschaftliche Grundlagen und Umsetzung mit SAP S/4HANA®, 2. Aufl., Berlin/Boston 2023
  • Wöhe, G., Döring, U., Brösel, U.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 28. überarbeitete und aktualisierte Aufl., München 2023

AUSGABE: BBP 12/2025, S. 344 · ID: 50517084

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