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>Kohlendioxid-Speicherungsgesetz beschlossenCCS kommt in die Praxis

Abo-Inhalt03.12.202599 Min. Lesedauer

| Ein Schiff legt in Wilhelmshaven ab – an Bord keine Waren, sondern verflüssigtes Kohlendioxid. Ziel: die Nordsee, tief unter dem Meeresboden. Was wie Zukunft klingt, wird nun Gesetz. CCS (Carbon Capture and Storage) heißt die Technik. Sie fängt CO2 an Schornsteinen ein, kühlt und verdichtet es, transportiert es per Pipeline oder Schiff zu geologischen Formationen oder ausgeförderten Lagerstätten und speichert es dauerhaft. Durch das neue Kohlenstoffdioxid-Speicherungsgesetz kommt nun Bewegung in das deutsche Infrastrukturvorhaben und die CO2-Speicherstrategie. |

Der gesetzliche Rahmen steht

Der Bundestag hat am 6.11.25 die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) beschlossen. In Kraft tritt sie nach Zustimmung des Bundesrats und Verkündung. Die Novelle erlaubt Abscheidung, Transport und Speicherung im industriellen Maßstab – zuvor war das nur zu Forschungszwecken zulässig. CO2-Leitungen und -Speicher gelten als Vorhaben von „überragendem öffentlichen Interesse“, was Planfeststellung und Genehmigung beschleunigt. Offshore-Speicherung in der deutschen Nordsee wird somit möglich. An Land (Onshore) bleibt CCS eine Länderentscheidung per Opt-in.

Was tut sich jetzt

Jetzt beginnt die Umsetzung. Küstenländer und Bund klären Raumordnung und Zuständigkeiten, Unternehmen prüfen Hafen-Hubs, Leitungskorridore und erste Einspeisepunkte. Standards für Messung, Berichterstattung und Verifizierung sowie Haftungsregeln nach Schließung eines Speichers rücken auf der Agenda nach vorn.

Ziel ist eine Investitionsreife in den frühen 2030ern. Der Zeitdruck ist real, denn Projekte brauchen Jahre für Erkundung, Genehmigung und Bau, während die Klimaziele bis 2045 gelten und der Zeitraum für das EU-ETS (European Union Emissions Trading System, auf Deutsch: EU‑Emissionshandelssystem) langfristig knapper wird.

Chancen und Kritik

CCS schließt – vor allem in der Industrie – Lücken, wo CO2-Vermeidung an physikalische Grenzen stößt. Mit Rechtsklarheit hinsichtlich Transport und Offshore-Speichern wächst nun die Option, an nordwesteuropäische Speichercluster anzudocken – zuerst per Schiff, später per Pipeline.

Die Kritik bleibt: Umweltverbände warnen vor einer Scheinlösung, verweisen auf Energiebedarf, Kosten, Leckagerisiken und Konflikte mit Offshore-Windanlagen und Naturschutz.

Merke | Deutschland macht CCS rechtlich anschlussfähig – nun entscheidet die Praxis auf See und an Land, ob die Technik Klimaziele stützt oder Erwartungen verfehlt.

AUSGABE: PN 4/2025, S. 122 · ID: 50633154

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