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TeamKommunikationTeamkommunikation stärken – ganz ohne Chef: So funktioniert’s!

Abo-Inhalt10.11.2025109 Min. Lesedauer

von Dr. Doortje Cramer-Scharnagl, Edewecht

| Eine Pressemeldung fasste die Ergebnisse einer Umfrage so zusammen: „Fehlendes Miteinander am Arbeitsplatz ist für viele Nichtakademiker ein Kündigungsgrund.“ Mehr als ein Drittel der über 1.000 Arbeitnehmer, die an der Umfrage teilgenommen hatten, gab an, schon mindestens einmal gekündigt zu haben, weil der Teamgeist im Job nicht stimmte. Weitere 25 Prozent würden aus diesem Grund kündigen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, stellen wir Ihnen in diesem Beitrag einige Basics für eine gute Team-Kommunikation vor. |

Kommunikationsgrundsätze im Team

Das Wort „Kommunikation“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Mitteilung“. Damit ist die wichtigste Grundlage einer guten Teamkommunikation auch schon beschrieben: Teilen Sie sich mit! Sagen Sie Ihre eigene Meinung. Sprechen Sie Unstimmigkeiten an und ermutigen Sie die anderen, eventuelle Konflikte ebenfalls offen zu thematisieren, damit sie zeitnah geklärt werden können. Ganz entscheidend ist es dabei, immer sachlich zu bleiben.

Das fördert die Teamkommunikation

Zuverlässigkeit

Stehen Sie hinter dem, was Sie sagen. Setzen Sie Zugesagtes auch um.

Kritikfähigkeit

Gestehen Sie eventuelle Fehler ein. Nehmen Sie Feedback an und berücksichtigen Sie es im Alltag.

Rücksichtnahme

Lassen Sie andere zu Wort kommen.

Kompromissbereitschaft

Seien Sie bereit, von Ihren eigenen Vorstellungen auch einmal abzuweichen.

Nachfragen

Bevor Sie beleidigt reagieren oder alles von sich weisen, fragen Sie lieber noch einmal nach: „Was meinst du damit?“

Persönliche Größe

Überhören Sie Sticheleien, Ironie, Sarkasmus und Respektlosigkeiten.

Sachlichkeit

Werden Sie in Konflikten nie persönlich. Erinnern Sie sich ggf. selbst daran, dass es allein um die Sachebene geht.

Wichtig | Gute Teamergebnisse dürfen und sollen herausgestellt werden. Dazu brauchen Sie nicht das Lob der Chefin oder des Chefs. Freuen Sie sich einfach im Team über die erfolgreiche Zusammenarbeit!

Schwierige Gespräche gemeinsam meistern

In jedem Team gibt es mal Konflikte. Um sie schnell zu klären, sollten Sie koordiniert vorgehen und sich gut vorbereiten. Am besten machen Sie sich in einer ruhigen Stunde zu folgenden Punkten ein paar Notizen:

Schritt 1: sachlich beschreiben

Zuerst versuchen Sie, die Situation sachlich zu beschreiben: Was stört Sie genau? Sind Sie allein betroffen oder geht das Problem mehrere Teammitglieder an? Wie fühlen Sie sich dabei? So objektivieren Sie Ihr Anliegen und können es später sachlicher vorbringen.

Schritt 2: sich hineindenken

Fragen Sie sich: Warum handelt die Kollegin so, wie sie es tut? Wenn Sie mögliche Begründungen für das schwierige Verhalten finden, sind Sie der Frage, wie das Problem entschärft werden kann, ein ganzes Stück näher gekommen.

Schritt 3: Ziele bestimmen

Überlegen Sie, wie Sie die Situation gerne hätten. Bleiben Sie dabei realistisch. Formulieren Sie auch Teilerfolge oder Kompromisse, mit denen Sie zwar nicht ganz zufrieden wären, die aber schon eine Verbesserung darstellen würden.

Schritt 4: einen ruhigen Termin finden

Es ist wenig sinnvoll, Konfliktgespräche zwischen Tür und Angel zu führen. Bitten Sie die Kollegin oder den Kollegen um ein ruhiges Gespräch zu einer Zeit, zu der Sie nicht gestört werden. Hält sich das Problem in Grenzen, empfiehlt sich zunächst eine Unterhaltung unter vier Augen, damit Ihr Gegenüber nicht den Eindruck hat, alle hätten sich gegen ihn/sie verschworen – das reduziert nämlich die Bereitschaft zum Einlenken ganz erheblich.

Praxistipp | Geht es um Themen wie Mobbing oder Machtmissbrauch und/oder sind sehr starke Gefühle beteiligt, dann kann es hilfreich sein, eine unparteiische dritte Person als Moderator hinzuzuziehen.

Positive Körpersprache – gute Atmosphäre

Körpersignale können Gespräche stark beeinflussen. Halten Sie die Hände nicht geschlossen oder gar die Arme vor der Brust verschränkt. Viel besser ist es, wenn Sie die Arme geöffnet vor sich auf den Tisch legen oder im Stehen locker hängen lassen. Ruhige, offene Bewegungen auf Oberkörperhöhe vermitteln Souveränität und Ausgeglichenheit. Halten Sie den Blickkontakt, ohne zu starren. Vermeiden Sie heftiges Gestikulieren, Stirnrunzeln, Herumfummeln an der Kleidung oder am Kopf sowie böse Blicke. Dafür lieber einmal lächeln – wenn tatsächlich ein Konflikt geklärt werden muss, aber nicht zu oft.

Regeln für „aktives Zuhören“ beachten

Aktives Zuhören ist eine Gesprächstechnik, die auf einer partnerschaftlichen Grundeinstellung beruht. Gefühle, Gestik und Mimik werden dabei mit berücksichtigt. Aktives Zuhören hat sich für eine positive Kommunikation hervorragend bewährt. Die wichtigsten Regeln sind:

Schenken Sie Ihre volle Aufmerksamkeit

Konzentrieren Sie sich ganz auf Ihr Gegenüber. Hören Sie genau hin, sodass Sie den Inhalt des Gesagten genau erfassen können. Achten Sie auf eine positive Gestik und Mimik. Eigene Gedanken und Interpretationen, die Ihnen beim Zuhören in den Kopf kommen, stellen Sie zunächst beiseite. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden. Zeigen Sie Anteilnahme durch verbale Äußerungen („Das verstehe ich ...“), durch Kopfnicken und durch Laute der positiven Verstärkung wie „Hmhm, ja, aha …“.

Achten Sie auf das Wesentliche

Verfolgen Sie die inhaltlichen Aussagen und Schlussfolgerungen Ihres Gesprächspartners genau, z. B. wenn dieser darüber berichtet, warum er bestimmte Arbeiten nicht erledigt. Achten Sie dabei auch auf die Schlüssigkeit der Argumentation, denn eventuelle Widersprüche können wertvolle Hinweise geben und sollten geklärt werden. Gleichzeitig fahren Sie Ihre „Antennen“ aus, um Ihre Gefühle zu erspüren, z. B. Ärger oder Erleichterung.

Praxistipp | Bleiben Sie beim Zuhören wertfrei. Deuten Sie das Gesagte nicht gleich oder legen sich gar innerlich Antworten zurecht.

Überprüfen Sie, ob Sie alles richtig verstanden haben

Wiederholen Sie das, was Sie an inhaltlichen und emotionalen Aussagen aufgenommen haben. Auf diese Weise lassen sich eventuelle Missverständnisse schnell beseitigen. Gleichzeitig fassen Sie die Dinge, die für eine Lösungsfindung entscheidend sind, nochmals zusammen. Dazu können Sie wesentliche Sachaussagen mit eigenen Worten sinngemäß wiederholen. Eine gute Einleitung ist z. B. „Wenn ich dich richtig verstanden habe, hat dir nie jemand gezeigt, wie man mit dem Programm umgeht?“ Gut ist es zudem, emotionale Aussagen und eigene Empfindungen in Worte zu fassen sowie ggf. nachzufragen: „Ich habe den Eindruck, dass du mit diesem Vorschlag nicht glücklich bist – woran liegt das?“

Bei Konflikten in „Ich-Botschaften“ sprechen

Vor allem in Konfliktgesprächen ist es wichtig, in „Ich-Botschaften“ zu sprechen. Gelingt Ihnen dies, ist das eine sehr gute Basis für einen guten Austausch. Doch viele stellen sich unter Ich-Botschaften etwas anderes vor und wundern sich, dass diese Technik bei ihnen nicht funktioniert.

Vergleichen Sie einmal folgende Formulierungen: A: „Ich habe das Gefühl, dass du dich vor der Abrechnung drücken willst und mir die ganze Arbeit zuschiebst.“ B: „Mir ist aufgefallen, dass du während der Abrechnung schon dreimal rausgegangen bist, um eine Pause zu machen. Die Arbeit ist etwa zur Hälfte fertig, und ich brauche die Dateien. Das macht mich ganz nervös.“ Variante A ist nur scheinbar eine Ich-Botschaft. Sie beginnt zwar mit dem eigenen Gefühl, geht dann aber direkt in Vorwürfe über. Variante B enthält demgegenüber nur reine Ich- und Sachaussagen. Sie drückt Ihr eigenes Gefühl aus, benennt das Problem und zeigt, wie Sie es wahrnehmen – so sieht eine richtige Ich-Botschaft aus.

Fazit | Die Basis eines guten Praxisteams ist eine „gelebte“ positive Kommunikation. Sie ist Information und persönliche Beziehungspflege zugleich. Und das Beste: Jede(r) kann selbst aktiv etwas dafür tun!

AUSGABE: ZP 11/2025, S. 13 · ID: 50606059

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