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Dez. 2025

PraxisangebotDort weitermachen, wo Pilates aufhört: Die Garuda-Methode in der Physiopraxis

Abo-Inhalt11.11.202549 Min. LesedauerVon Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M. A. Thomas Colshorn, Bremen

| Die Fitnessindustrie entwickelt sich stetig weiter. Was vor zehn Jahren als das Nonplusultra galt, erfährt heute gern mal eine Generalüberholung. So auch das Pilates: Wem bei den klassischen Übungen das gewisse Etwas fehlt, sollte seinen Blick auf die Garuda-Methode richten. Das Konzept bietet sich für Selbstzahler an, eignet sich aber auch als Präventionskurs. |

Garuda beginnt da, wo Pilates aufhört

Die Garuda-Methode wurde von James D’Silva entwickelt, einem ehemaligen Profi-Tänzer und Trainer aus London. Laut offizieller Website stammt D’Silva ursprünglich aus Goa, Indien, bevor er nach England ging, um dort als Tänzer zu arbeiten. Sein Ansatz ist nicht neu, sondern versucht, bereits etablierte Konzepte wie Pilates, Yoga, Tanz, Tai-Chi und weitere Disziplinen zu verbinden. Anstatt auf Blut, Schweiß und Tränen liegt der Fokus auf präzisen, organischen Bewegungen, die zusätzlich eine ästhetische Komponente vermitteln wollen.

Die Idee entsprang D’Silvas Eindruck, dass das Training an Pilatesgeräten oder klassisches Krafttraining oft nur begrenzt mit funktionellen Bewegungen arbeitet, die einen Transfer auf alltägliche Belastungen ermöglichen. Seinen eigenen Worten zufolge wollte er mit der Garuda-Methode ein System schaffen, das „dort beginnt, wo Pilates endet“. Mit dieser Idee im Hinterkopf startete in D’Silva um das Jahr 2000 herum seine eigene kleine Fitnessrevolution. Den Namen „Garuda“ lieh er sich dabei von einem mythologischen Vogel der hinduistischen Mythologie, der vor allem als Symbol für Stärke steht, aber auch als Sieger des Guten über das Böse. Gerade in den vergangenen Jahren hat die Methode vermehrt Zulauf erhalten – insbesondere durch die sozialen Medien.

Ziel ist ein gestärktes Bewegungs- und Leistungssystem

Versprochen werden neben gesteigerter Kraft auch eine verbesserte Beweglichkeit und Körperwahrnehmung, aufrechte Haltung sowie bessere Koordination und Gleichgewicht. Auch der mentale Aspekt soll durch die Methode angesprochen und eine stärkere Verbindung von Bewegung und Geist geschaffen werden, insbesondere durch Fokussierung auf die Atmung während des Trainings sowie eine bewusste, konzentrative Bewegungsausführung. Ziel ist nicht die Ansprache der Maximalkraft, sondern ein gestärktes, geschmeidiges und leistungsfähiges Bewegungs- und Haltungssystem. Alle diese Eigenschaften helfen, Verletzungen vorzubeugen und schneller zu regenerieren.

Ausbildung in Deutschland derzeit noch nicht in Präsenz

Eine Aus- oder Fortbildung zum Garuda-Instructor in Präsenz ist aktuell in Deutschland noch nicht möglich. Wer sich mit der Methode auseinandersetzen möchte, muss sich zuerst an der Garuda Academy umschauen (thegaruda.net/academy). Ähnlich wie beim Pilates gibt es auch eine Unterteilung in eine Matten- und Geräteausbildung sowie zusätzliche weitere Kurse für Hilfsmittel und Kleingeräte (z. B. Rolle, Yoga-Block, Hocker). Das Mattentraining bildet die Basis, auf die mit weiteren Kursen aufgesetzt werden kann und wird derzeit als Hybrid-Kurs angeboten: Online-Module wechseln sich mit interaktiven und live betreuten Videokonferenzen ab. Die Kosten werden mit 870 Pfund angegeben (etwa 990 Euro). Voraussetzung ist, dass man bereits als Trainer für eine andere Methode lizenziert ist, z. B. Pilates, Yoga o. Ä. Zur Dauer macht die Garuda-Website keine Angaben. Europaweit werden derzeit zunächst nur Präsenz-Ausbildungen in Italien (Ferrara) angeboten. Diese dauern vier Tage, verteilt auf zwei Wochenenden (Januar 2026).

Geräteausbildungen gibt es für den Reformer, den Reformer 2 sowie den Garuda Apparatus, der eine Art Mix aus dem Reformer und dem Pilates Cadillac darstellt. Kurse kosten 720 Pfund (etwa 820 Euro) und dauern zwei Tage. Genau wie beim Mattenkurs müssen Interessenten aus Deutschland entweder Hybridkurse buchen oder nach Italien reisen. Die Kurse für Kleingeräte dauern zwei bis drei Tage und finden aktuell nicht als Online-, sondern als Präsenzseminar in Italien statt. Kosten dafür werden auf der Website nicht angegeben.

Mattenkurse im Gruppenformat, Geräte im Personal Training

Für einen Garuda-Kurs in der eigenen Praxis ist zunächst einmal eine Ausbildung nach den Garuda-Prinzipien notwendig – auch, weil der Name zumindest im englischsprachigen Raum eine geschützte Wortmarke ist. Weitere wichtige Aspekte: Equipment und Raum. Wer nur die Matwork Übungen anbieten möchte, ist mit normalen Gymnastikmatten und den üblichen Kleingeräten einer Physiopraxis (Bälle, Rollen, Hocker etc.) gut bedient. Die speziellen Garuda-Geräte dagegen erfordern einen höheren finanziellen und räumlichen Aufwand: So kosten der Garuda-Apparatus sowie die Sonalie Machine (ähnlich dem Pilates Chair) knapp 11.000 Euro, die abgespeckte Variante des Reformers immerhin rund 7.500 Euro. Gerätetraining eignet sich damit eher für ein Personal Training oder in der Einzeltherapie, weniger in der Gruppe. Kleingeräte wie Rollen etc. dagegen müssen nicht zwingend aus dem ohnehin etwas kostspieligen Garuda-Shop stammen, sondern können sich auch aus dem Arsenal „normaler“ Anbieter von Physio-Equipment bedienen und sind meist ohnehin fester Praxisbestandteil.

Angaben zur ZPP-Zertifizierung sind zurzeit nicht möglich

Aufgrund der noch geringen Verbreitung der Methode sind Angaben zu einer möglichen Zertifizierung als Präventionskurs über die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) aktuell noch nicht möglich. Da allerdings für andere, ähnlich gelagerte Methoden wie z. B. Pilates eine Anerkennung möglich ist, sollte es theoretisch keine Hürden für die Garuda-Methode geben. Hier empfiehlt sich eine Rückfrage bei der ZPP. Daneben müssen natürlich die grundsätzlichen Anforderungen des § 20 SGB V erfüllt sein. Neben der fachlichen Qualifikation gehören dazu ein fundiertes Kurskonzept mit Zielgruppe, Zielsetzung, Methoden und Stundenbildern.

AUSGABE: PP 12/2025, S. 8 · ID: 50611361

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